Rezension zu "Am Ende der Welt traf ich Noah" von Irmgard Kramer

Verlag: Loewe Verlag  
Erscheinungsdatum: 27. Juli 2015  
Preis: 17, 95€

Seitenanzahl: 352 Seiten

Reihe?: Einzelband 

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Irmgard Kramer wurde 1969 in Vorarlberg geboren und wuchs in einem alten Häuschen auf, das sich lebendig anfühlte. Nach 19 Jahren hängte sie die Arbeit als Grundschullehrerin an den Nagel und lebt heute als freie Autorin zwischen Bergen, Kühen und Käse im Bregenzerwald. Sie schreibt Geschichten für kleine und große Leser sowie Texte für Magazine.


 Ich war wütend.


Marlene muss den Urlaub mit ihren Eltern in einem langweiligen Kurort verbringen, obwohl sie doch so viel lieber etwas erleben will. Doch plötzlich steht da dieser rote Koffer vor ihr, der sie wie magnetisch anzieht. Kurzerhand nimmt sie eine andere Identität an und fährt mit einem Wildfremden ins Nirgendwo. Als Irina Pawlowa verbringt sie den Sommer in einer alten Villa abgeschieden von der Außenwelt. Ihre Aufgabe ist es, Noah, einem blinden Jungen, das Schwimmen beizubringen. Sie verliebt sich in Noah - plötzlich überschlagen sich die Ereignisse und Marlenes einst so langweilige Welt steht Kopf.


"Am Ende der Welt traf ich Noah" stand schon lange auf meiner Wunschliste. Aufgrund des wunderschönen, sommerlichen Covers und des außergewöhnlichen Klappentextes war ich sehr gespannt auf die Geschichte.

Alles beginnt mit einem roten Koffer, der das Leitmotiv der Geschichte wird. Marlene gibt sich als Besitzerin des Koffers aus und damit beginnt das Sommerabenteuer. Mit Viktor, einem Wildfremden, fährt sie in eine Villa, um dort zu arbeiten. Als Leser dreht sich das Karussell voller Fragen: Wieso lebt Noah alleine mit einer Nonne, einem Gärtner und einem Koch? Wieso leben die drei Bewohner der Villa wie im 18. Jahrhundert? Als Leser wird man direkt in die Geschichte gezogen und gleich die ersten Seiten enthüllen den Charakter der Protgonistin. Sie will frei sein, Abenteuer erleben und die Welt entdecken.
Dieser Anfang hat mir sehr gut gefallen, weil es ohne Vorstellungen der Protagonstin sofort mit dem wichtigsten Handlungsstrang beginnt.
 
"Die Zeit hatte sich verzwirbelt, verpuppt, entfaltet und gedehnt, so lange, bis nichts Erkennbares mehr übrig geblieben war."

Aus der Sicht von Marlene erlebt man ein Sommerabenteuer, die erste große Liebe und kommt allerhand Geheimnissen auf die Spur.
Die Autorin beschreibt sehr schön die Gefühlswelt der sympathischen Protagonistin in der Ich-Perspektive. Auch die anderen Charaktere sind sehr stark ausgeprägt. Noah, ein blinder Junge, der komplett abgeschieden von der Außenwelt in einer alten Villa lebt und von dem Marlene sich angezogen fühlt. Schwester Fidelis, eine Nonne, die gleichzeitig Noahs Lehrerin ist und die Marlene nicht ganz geheuer ist. Der schweigsame Koch Anselm und der seltsame Gärtner Victor.

Irmgard Kramer gelingt es, den Leser zu fesseln, in dem sie immer mehr Puzzleteile aufdeckt und dann letztendlich ein komplett unvorhersehbares Ende herbeizaubert. Besonders am Ende des Buches brilliert die Autorin mit einem völlig anderen Schreibstil als zuvor. Sie reiht kurze, abgehackte Sätze aneinander und lässt dadurch den Leser komplett in Marlenes Gefühlswelt abtauchen.

Die Liebesgeschichte zwischen Noah und Marlene hat mir hauptsächlich deshalb so gut gefallen, weil sie keine Klischees enthält und durch ihre Zartheit und doch unbändige Kraft den Leser immer zum Lächeln bringt.


"Nur wenn Noah in der Nähe war, zog sich die Zeit spiralförmig zusammen wie eine Galaxie um ein Zentrum, in dessen Mitte er schwebte und alle Kräfte um sich herum anzog."

"Am Ende der Welt traf ich Noah" handelt nur von dem jeweiligen aktuellen Geschehen, über Marlenes Leben vor der Begebenheit mit dem roten Koffer erfährt man fast nichts. Die Geschichte ist aber so besonders und voller Geschehen im jeweiligen Jetzt, dass eingewobenes Vorwissen nur störend wäre.

Ebenfalls fantastisch ist die märchenhafte Sommerkulisse, die mit zauberhaften Naturbeschreibungen gedanklich ein Paradies erschaffen.
Doch dieses Paradies verwandelt sich. Im Laufe des Buches entwickelt sich die Geschichte immer mehr in eine geheimnisvolle, mystische Richtung, die sich sehr positiv auf das Spannungslevel auswirkt. Während man zuvor eine schöne, wenn auch nicht komplett fesselnde Geschichte liest, entwickelt sich ab ungefähr der Mitte des Jugendromans eine mitreißende, spannungsgeladene Geschichte, die mich nicht mehr losließ.
Das Ende lässt mich ein wenig zwiegespalten zurück. Einerseits ist es besonders und unvorhersehbar, andererseits aber auch wie ein Schock. Dieses Ende regt zum Nachdenken an und lässt den Leser noch lange nicht los.



"Am Ende der Welt traf ich Noah" beschert ein literarisches Sommerabenteuer. Protagonisten, die lebensgierig auf der Suche nach Freiheit sind und der ersten großen Liebe werden von der Autorin in einem wunderbaren Schreibstil beschrieben. Im Laufe des Buches wird die Geschichte immer außergewöhnlicher und endet schließlich mit einer unvorhersehbaren Wendung. Ein Lesegenuss, der noch lange nachhallt und gedanklich lange nicht loslässt!



"Wir vermischten unsere beiden Melodien zu einer einzigen, einer Melodie, die so schön war, dass sie den Frieden auf Erden hätte bringen können." 

Kommentare :

  1. Klingt nach der perfekten Urlaubslektüre :)

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  2. Ein unerwartetes Ende? Erinnert mich an "Kischen im Schnee" :)

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  3. Hannah, das klingt nach einem perfekten Buch für mich! Danke für die Rezi<3

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  4. Hallöchen,
    ach ich wusste nach dem Lesen irgendwie gar nicht wohin mit mir, weil ich mit diesem Ende wirklich nicht gerechnet habe. Ich fand das Buch leider am Anfang ein bisschen zu holprig und zu langsam. :/ Aber dann wurde es noch richtig gut.
    Ich bin echt geflasht von diesem Buch.

    Liebst, Lotta

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  5. Huhu! :)

    Was für eine schöne und vor allem begeisterte Rezension! Ich habe das Büchlein auch schon zu Hause und kanns kaum erwarten endlich in die geschichte einzutauchen! :D

    Liebste Grüße
    Nina ♥♥♥

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