{Zum Weltfrauentag} Ich wünsche mir...

12:00

"Wir sind die Heldinnen unserer eigenen Geschichte." 

(Mary McCarthy)

Hallo meine Lieben,

zum Weltfrauentag melde ich mich aus der Versenkung – bald wird es hier auch wieder mehr zu lesen.
Heute möchte ich mit Euch über Feminismus in der Politik, in der Bildung und der Literatur diskutieren. In den nächsten Tagen habe ich dann noch einige Buch-, Film- und Podcasttipps im Gepäck.


Buchtipp: "We should all be feminists" von Chimamanda Ngozi Adichie

 Warum brauchen wir den Weltfrauentag?


In Berlin gilt der 8. März seit diesem Jahr sogar als gesetzlicher Feiertag. Unabhängig davon: Seit 1921 wird der Weltfrauentag am 8. März begangen. International ist dieser aus der Arbeiterbewegung entstanden. Die wichtigsten Forderungen der Feminist*innen der ersten Welle waren das Wahlrecht.
Heute, 100 Jahre nach der Einführung des Frauenwahlrechts befinden wir uns in der vierten Welle des Feminismus.
Und doch muss ich immer wieder Diskussionen darüber führen, ob wir den Feminismus heute noch brauchen. Die Frauenquote, gendergerechte Sprache und eben auch der Weltfrauentag als Feiertag – immer wieder entbrennen neue Diskussionen darüber, ob der Feminismus nicht zu weit gehe.


Darauf habe ich eine ganz klare Antwort: Nein, er muss sogar noch weiter gehen.


Wir leben immer noch in einer Welt, in der Frauen strukturell benachteiligt werden. Auch in Deutschland.
Anhand von zwei Beispielen möchte ich deutlich machen, dass vor uns noch ein langer Weg liegt.


"Im diplomatischen Dienst in Deutschland sind nur 13,4% Frauen."


Wir haben seit über 13 Jahren eine Frau an der Spitze unseres Landes. Und doch: Nur 30% der Abgeordneten im deutschen Bundestag sind weiblich.
Ob das diskutierte Paritätsgesetz demokratiefeindlich ist, kann zu Recht diskutiert werden. Meiner Meinung nach muss man das Problem bei der Wurzel packen: Bereits als Kindern muss Mädchen beigebracht werden, dass sie alles werden können. Dass Frauen und Männer entscheiden können. Dass Macht nicht männlich ist. Sondern vorrangig menschlich.

Auf internationaler Ebene geht es leider so weiter: Solange die UN sexualisierte Gewalt nicht als strukturelles Sicherheitsproblem ansieht, wird sich wenig in der Welt ändern.

Wenn nur 13,4% der diplomatischen Ämter von Frauen besetzt sind, dann wird Deutschland nicht realitätsnah abgebildet und repräsentiert. 

Dennoch gibt es auch positive BeispieleSchweden und Kanada haben beispielsweise vorgemacht, wie eine erfolgreiche feministische Außenpolitik aussehen kann.

-> Wer sich für feministische Außenpolitik interessiert, sollte sich diese Folge des Lila Podcasts nicht entgehen lassen (auch auf Spotify)!

Ich wünsche mir, dass Bildung weiblicher wird.


Ich wünsche mir, dass meine Tochter eines Tages in der Schule lernt, wer Emeline Pankhurst und Louise Otto-Peters waren. 
Der Lehrplan an Schulen muss modernisiert werden – nicht nur was Sexualkunde betrifft. In meiner ganzen Schullaufbahn wurde der Feminismus kein einziges Mal erwähnt. Eine geschichtliche Bewegung mit weltweiter Relevanz wurde nicht einmal in den Mund genommen. Genauso wenig wie im Deutschunterricht Autor*innen gelesen wurden oder Philosoph*innen diskutiert wurden.
Denn genau dadurch bekommen junge Mädchen vermittelt, dass nur Männer weltbewegende Erkenntnisse hätten oder weltverändernde Roman schreiben würden.

Ich wünsche mir, dass Kinder Sexualität in Schulen nicht mehr als "negativ", "als Problem" vermittelt bekommen. Dass es nicht nur um Geschlechtskrankheiten, Verhütung und Monatshygieneprodukte geht. Sondern darum, ein Gefühl für seinen Körper zu entwickeln. Scham abzubauen und sich selbst zu lieben.
Das kann im Biologieunterricht beginnen, sollte aber meiner Meinung nach ebenso im Sportunterricht in Form von Meditationen oder im Psychologieunterricht integriert werden. Ein Beispiel: Der Film "Embrace – Du bist schön" sollte in jeder Klasse gezeigt werden – und bietet einiges an Diskussionsmaterial.


Frauen in der Literatur




"If you're a woman writer, sometime, somewhere, you will be asked: Do you think of yourself as a writer first, or as woman first? Look out. Whoever asks this hates and fears both: writing and women."

 (Margaret Atwood)


Im Rahmen des Literatursommers habe ich untersucht, ob Literatur von oder über Frauen eine besondere Aufmerksamkeit verdient hat.

23% der Jurys und Gremien für die wichtigsten deutschen Buchpreise sind mit Frauen besetzt. Ist dieser traurige Fakt auch die Ursache dafür, dass Schriftsteller fünfmal mehr Preise als Schriftstellerinnen gewinnen?

Weitere Zahlen machen mich noch nachdenklicher: Insgesamt nur etwa 15% der öffentlichen Mittel zur Kunstförderung gehen an Künstlerinnen. Frauen werden in einem Verhältnis von 1 Autorin zu 10 Autoren rezensiertIm Deutschunterricht werden fast nur Klassiker von männlichen Autoren gelesen.

Diese Zahlen verdeutlichen, dass Literatur von Frauen eine besondere Aufmerksamkeit verdient - und eben immer noch viel mehr Aufmerksamkeit braucht!


-> Meine ausführliche Kolumne über "Frauen in der Literatur" findet Ihr hier.






Ich wünsche mir, dass viel mehr hingeschaut und Probleme erkannt werden. 

Ich wünsche mir, dass wir offen über sogenannte Tabuthemen reden.

 Ich wünsche mir, dass Vorurteile überwunden werden.

Ich wünsche mir, dass jede*r die gleichen Chancen und Reche hat. Unabhängig von Geschlecht, Herkunft und Religion.

Ich wünsche mir, dass jede*r so frei ist, dass er und sie selbst wählen kann. Selbst  über seinen Körper entscheiden kann – ohne Einschränkungen.


Und jetzt wünsche ich Euch allen – egal welches Geschlecht Ihr habt – einen schönen Weltfrauentag! 

Ach, was ich mir noch wünsche: Es würde mich sehr interessieren, was Ihr von dem Thema haltet! 
Wie habt Ihr Feminismus in der (Schul)bildung wahrgenommen? Was sind Eure eigenen Erfahrungen mit dem Feminismus?

Alles Liebe,
Eure Hannah

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2 Kommentare

  1. Liebe Hannah, das ist ein wunderbarer Post! Wir Frauen haben in der Vergangenheit schon so viel erreicht, aber wir dürfen jetzt nicht aufhören, für unsere Rechte zu kämpfen. :)

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    1. Danke für Deinen tollen Kommentar! <3 Und Du hast natürlich absolut Recht!

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