{Literatursommer} Frauen in der Literatur*

11:00

If you're a woman writer, sometime, somewhere, you will be asked: Do you think of yourself as a writer first, or as woman first? Look out. Whoever asks this hates and fears both: writing and women."

- Margaret Atwood

Hallo meine lieben Buchliebhaber*innen,

hat die Literatur von und über Frauen eine besondere Aufmerksamkeit verdient?

Das vorangestellte Zitat von Margaret Atwood – der Autorin von  "The Handsmaid's Tale" – stimmt gut ein in den heutigen Beitrag.
Denn ich möchte heute mit Euch über ein Thema diskutieren, das mich stark beschäftigt: "Frauen in der Literatur".

Ein sehr offenes, großes Thema, das im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Literatursommer" – organisiert von der Baden-Württemberg-Stifung  – aufgegriffen wird.
Alle Infos zu dem sommerlichen Lesefestival sowie meine persönlichen Veranstaltungshighlights findet Ihr hier!

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© Septembermädchen

Autoren gewinnen fünfmal mehr Preise als Autorinnen



23% der Jurys und Gremien für die wichtigsten deutschen Buchpreise sind mit Frauen besetzt. Ist dieser traurige Fakt auch die Ursache dafür, dass Schriftsteller fünfmal mehr Preise als Schriftstellerinnen gewinnen?

Weitere Zahlen machen mich noch nachdenklicher: Insgesamt nur etwa 15% der öffentlichen Mittel zur Kunstförderung gehen an Künstlerinnen. Frauen werden in einem Verhältnis von 1 Autorin zu 10 Autoren rezensiertIm Deutschunterricht werden fast nur Klassiker von männlichen Autoren gelesen.

Ein persönliches Beispiel: Der von mir gewählte Werkvergleich im Abitur 2017 in Baden-Württemberg bestand aus drei Werken von drei Männern: "Agnes" von Peter Stammt, "Homo faber" von Max Frisch und "Dantons Tod" von Georg Büchner. Damit wird Schüler*innen direkt der Eindruck vermittelt, dass große Werke ausschließlich von männlichen Autoren stammen. Und gleichzeitig erhalten die jungen Leser*innen nur Einblicke in ein Frauenbild, das von Männern entworfen wurde...

Diese Zahlen verdeutlichen, dass Literatur von Frauen eine besondere Aufmerksamkeit verdient - und eben immer noch viel mehr Aufmerksamkeit braucht!
  Schön, dass es den Literatursommer 2018 in Baden-Württemberg gibt, der den Werken von - aber auch über - Frauen besondere Aufmerksamkeit zollt und zeigt, dass Literatur von Frauen vor allem eins ist: vielfältig. Denn Frauen schreiben für alle Genres, weibliche Charaktere sind facettenreich und Frauen machen einen großen Teil des lesenden Publikums aus.
 
 

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Was ist Frauenliteratur?


Besonders schön finde ich das Statement des Literatursommers, dass das Thema der Veranstaltungen eben nicht die sogenannte "Frauenliteratur" ist. Sondern, dass der Blick weiter geht – auf die Frau als Schreibende, als Lesende und als Protagonistin in von Frauen wie von Männern verfassten Werken.
Leider verstehen viele unter dem Begriff "Frauenliteratur" immer noch triviale Literatur: Chick-Lit-Romanzen oder der "Frauenkrimi". Dabei stellt sich mir allerdings die Frage, warum es den Begriff "Frauenliteratur" überhaupt gibt? Weshalb existiert der Begriff "Männerliteratur" nicht?
Ingeborg Bachmann, Juli Zeh, Herta Müller - diese drei Autorinnen haben eines gemeinsam: sie haben vielschichtige Protagonistinnen geschaffen.

Es gibt so viele besondere Protagonistinnen, die wir näher kennenzulernen sollten – in Werken von Autoren ebenso wie in Werken von Autorinnnen.  

Für mich persönlich begann alles mit Astrid Lindgren: Die schwedische Rebellin Pippi Langstrumpf war für mich meine Kindheitsheldin. Ein Idol, die ich bewunderte und sein wollte wie sie. Das stärkste Mädchen der Welt hat mich bereits als Fünfjährige dazu ermuntert, an meine eigenen Fähigkeiten zu glauben. Mir bewiesen, dass jeder in dieser Welt alles schaffen kann - egal ob Mädchen oder Junge.

Um es kurz zu fassen: Ich freue mich auf dieses vielseitige Lese-Festival. In diesem Rahmen erhoffe ich mir, vielschichtige Protagonistinnen kennenzulernen. Und sicher werde ich inspirierenden Debatten folgen, die sich mit dem Thema "Frauen in der Literatur" befassen.
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©Baden-Württemberg Stiftung

-> Das ganze Veranstaltungsprogramm zum Stöbern findet Ihr hier.

Veranstaltungen rund um die Diskussion "Frauen in der Literatur"

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Dana Grigorcea beim Literatursommer 2016  ©Baden-Württemberg Stiftung

 

4.7. - Was uns bewegt - Frauenidentität in der Literatur von 1970 bis heute

Welche Bücher der 1970-er Jahre bis in die Gegenwart werden von ihren Leser*innen als identitätsstiftend wahrgenommen. Welche Bücher prägen uns?
Ein Literaturgespräch in der schönen Altstadt Heidelbergs.

-> 19:30 in der Stadtbücherei Heidelberg, Eintritt frei


16.10. und 18.10. - Remixx: Eine literarische Performance von Violaine Lochu

Eine Vokal-Performance der französischen Performance-Künstlerin lädt dazu ein, (literarische) Frauenfiguren zu entdecken.

-> 16.10. um 19:30 Uhr, Infos findet Ihr hier


5.-7.10. - Kurvendiskussion - A body of ones own


Eine Performance bzw. Lesung über ein Thema, das uns alle betrifft. Irene Baumann und Caro Mendelski diskutieren wichtige Fragen: Wie politisch ist mein Körper? Ist ein privater Körper möglich?
Die "Kurvendiskussion" sucht nach Positionen, wie Frauen* selbst über ihren Körper sprechen.

->  jeweils 19:30 Uhr, FFGZ Stuttgart

Sie schreibt... Das Salonfestival der Schriftstellerinnen

Acht Salonlesungen bei privaten Gastgeber*innen, u.a. mit dabei sind Verena Boos und Nina Jäckle. Eine tolle Idee, auf deren Umsetzung ich schon sehr gespannt bin!

-> jeweils 20 Uhr, Termine und Eintrittskarten s. Webseite

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© Septembermädchen

Zum Abschluss habe ich natürlich noch ein paar Fragen an Euch:
Welche Protagonistin hat Euch am meisten geprägt?
Welche Veranstaltung des Literatursommers reizt Euch am meisten?

Und ich möchte nochmals mit Worten von Margaret Atwood schließen:

"A word after a word after a word is power."


Ich wünsche Euch noch einen wunderschönen Start in die neue Leswoche und freue mich auf Eure Gedanken rund um "Frauen in der Literatur",
Eure Hannah


*Dieser Beitrag ist in liebevoller Kooperation mit der BW-Stiftung enstanden. Ich freue mich sehr, Bloggerin für die literarische Veranstaltungsreihe sein zu dürfen.

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2 Kommentare

  1. Krass die statistischen Zahlen kannte ich bisher gar nicht und das schockiert echt. Wobei es auch nicht überraschend kommt, das ist ja leider in jedem Bereich so auch im Film- und Fernsehbereich und es ärgert mich. Auch das man die Arbeit von Frauen immer mit solchen Begrifflichkeiten abwertet. Es gibt so viele tolle literarische Werke von Frauen, die sich mit komplexen Fragen auseinandersetzen und vielschichtige Figuren bieten. Atwood ist da ja ein perfektes Beispiel für, aber auch J. K. Rowling zählt für mich in diese Kategorie und auch Cecilia Ahern behandelt in ihren Liebesromanen ja immer spannende Fragen. Somit: Es gibt viele tolle weibliche Autorinnen und ich finde es schade, dass man schon in der Schule nur männliche Autoren konsumiert. Ich kann mich auch nicht daran erinnern, was von einer weiblichen Autorin in der Schule gelesen zu haben, gerade beim Abi war es bei uns auch Homo Faber, dann natürlich sowas wie Faust oder Geschichten aus dem Wiener Wald. Dabei gibt es doch auch tolle Klassiker aus der Feder von Frauen.

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  2. Frauenbenachteiligung ist für mich auch ein ganz emotionales Thema, bei welchem mir für den "klaren Kopf" bisher immer der Abstand gefehlt hat. Deine angeführten Zahlen kannte ich teilweise, trotzdem sind sie jedes Mal erschreckend zu sehen... Danke für deinen Beitrag!
    PS: Die Fotos sehen ganz toll aus...

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