Liebes "Gut gegen Nordwind",
was bist Du nur für ein Buch? Mag sein, dass das nun ein etwas ungewöhnlicher, kitschiger Liebesbrief wird – aber die Worte sprudeln nur so aus mir heraus, wenn ich an Dich denke. Wollen zu Papier oder wenigstens auf den digitalen Bildschirm gebracht werden. Denn am liebsten würde ich Dich jedem, der mir auf der Straße begegnet in die Hand drücken und sagen "lies es, es wird Dich umhauen!".
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You got mail! – Sehnsucht in Zeiten der digitalen Korrespondenz: "Gut gegen Nordwind" |
Denn genau das hast Du mit mir gemacht: Du hast mich von der ersten Seite an in Deinen Bann gezogen.
Schon lange nicht mehr, war ich einem Buch so verfallen. Habe mich so mitreißen lassen – in einen Gefühlsstrudel.
Wenn ich Dich mit einem Wort beschreiben müsste, wäre es: Sehnsucht.
Denn Du steckst voller Sehnsucht – jede Seite, jede E-Mail ist voll von diesem Gefühl.
Daniel Glattauer schreibt einfach wie ein Philosoph: so klug, charmant und so romantisch. Gleichzeitig sind seine beiden Bücher unheimlich bissig, spritzig und pointiert geschrieben – ein ganz besonderes Sprachgefühl. Und natürlich schreibt er vor allem eins: so menschlich sehnsuchtsvoll!
Natürlich könnte man jetzt fragen: Brauchen wir wirklich noch einen E-Mail-Roman?
Oh ja, "Gut gegen Nordwind" ist viel mehr als eine E-Mail-Romanze. Die Ausgangslage erinnert an kitschige Romanzen à la "E-Mail für Dich" mit Meg Ryan und Tom Hanks in der Hauptrolle. Aber "Gut gegen Nordwind" wird nicht umsonst vom Spiegel als klügsten Liebesdialog der Gegenwartsliteratur betitelt.
Inhaltlich verrate ich Euch nur so viel: Irrtümlicherweise landet eine E-Mail von Emmi Rothner bei Leo Leike, die eigentlich ein Zeitschriften-Abonnement kündigen möchte. Aus Höflichkeit antwortet ihr besagter Herr Leike – und es entspinnt sich ein Dialog.
Über die beiden Protagonisten und Schreiberlinge erfährt der Leser nicht viel. Es geht viel mehr um das dazwischen. Zwischen den Zeilen.
Kann man sich anhand von E-Mails ineinander verlieben? Das ist eine gute Frage. Fakt ist jedoch, dass ein erstes Treffen bald unausweichlich erscheint. Aber Emmi Rothner ist verheiratet und Leo verarbeitet gerade eine gescheiterte Beziehung. Wieviel ist Illusion, wieviel real?
Ebenfalls unglaublich großartig: Die beiden Protagonisten sind Menschen – und damit auch voller Schwächen, die Daniel Glattauer liebevoll entlarvt. Und der Zuneigung, die man für die beiden E-Mail-Schreiber entwickelt, keinen Abbruch tut – im Gegenteil.
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Sehnsucht zwischen den Zeilen |